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Kaum ein Teammodell ist so bekannt wie Forming, Storming, Norming, Performing. Es taucht in Führungstrainings, Ratgebern und Workshops auf. Aber was steckt eigentlich dahinter – und wie nützlich ist die Frage „In welcher Phase sind wir?“ wirklich?
01Woher das Modell kommt
Der amerikanische Psychologe Bruce Tuckman wertete 1965 rund 50 Studien über Gruppen aus – Therapie-, Trainings- und Laborgruppen – und fand ein wiederkehrendes Muster. Daraus wurden die vier eingängigen Phasen. 1977 überprüfte er das Modell gemeinsam mit Mary Ann Jensen und ergänzte eine fünfte Phase: Adjourning, das Auseinandergehen.
02Die fünf Phasen auf einen Blick
Die Kurve ist eine vereinfachte Darstellung: Viele beschreiben in der Storming-Phase einen Leistungsknick, bevor das Team in Norming und Performing an Fahrt gewinnt.
Klickt auf eine Phase
Man ist höflich, tastet sich ab und sucht Orientierung: Was ist unser Auftrag, wer macht was?
Was jetzt hilft: Ankommen ermöglichen, Ziel und Rollen klären, Kennenlernen bewusst einplanen.
Unterschiede werden sichtbar: Wer hat das Sagen, wie arbeiten wir? Konflikte sind hier normal.
Was jetzt hilft: Konflikte nicht wegmoderieren, sondern besprechbar machen; Erwartungen und Rollen offen verhandeln.
Das Team findet gemeinsame Regeln und Arbeitsweisen, Vertrauen wächst.
Was jetzt hilft: Vereinbarungen festhalten und überprüfbar machen, Selbstorganisation stärken.
Das Team arbeitet eingespielt und kann Energie in die Aufgabe statt in die Abstimmung stecken.
Was jetzt hilft: Freiräume lassen, Erfolge sichtbar machen, auf Veränderungen achten.
Das Team löst sich auf oder ein Projekt endet (1977 ergänzt).
Was jetzt hilft: Bewusst abschließen: Erfolge würdigen, Gelerntes sichern.
03Was das Modell nicht kann
Tuckmans Arbeit war eine Literaturauswertung, keine Langzeitstudie an Arbeitsteams. Als er das Modell 1977 überprüfte, hatte von den 22 neueren Studien nur eine einzige das Phasenmodell direkt getestet. Das heißt nicht, dass es falsch ist – aber es ist eher eine nützliche Landkarte als ein Naturgesetz.
Teams laufen die Phasen nicht einmal brav ab. Ein neues Mitglied, eine neue Führung oder eine neue Aufgabe kann ein eingespieltes Team zurück ins Storming bringen.
Das Modell eignet sich schlecht, um ein Team einzustufen – aber gut, um gemeinsam darüber zu sprechen, was gerade los ist.
04Wie wir das Modell nutzen
Nicht „Welche Phase?“, sondern „Was brauchen wir jetzt?“
Im Teamtag fragen wir selten, in welcher Phase ein Team ist. Nützlicher ist: Was braucht ihr gerade – Orientierung, Klärung von Reibung oder verbindliche Regeln? Daraus ergibt sich das Format: Für Ankommen und Orientierung passt Connect, für offene Reibung um Rollen Boost, für verhärtete Konflikte Klärung.
Das Wichtigste, was das Modell leistet: Es nimmt Teams die Angst vor Reibung. Wer weiß, dass Storming dazugehört, sieht im ersten Streit nicht gleich das Scheitern.
Reibung ist oft der Moment, in dem ein Team anfängt, ehrlich zu werden.
Was tun, wenn aus Reibung ein echter Konflikt wird, beschreibt Wann sollte ein Teamkonflikt moderiert werden?.
05Mini-Check: Was braucht euer Team gerade?
Drei Fragen statt einer Phasen-Diagnose
Ist euer Team neu oder hat sich die Zusammensetzung zuletzt deutlich verändert?
Gibt es spürbare Reibung darüber, wer was entscheidet oder wie gearbeitet wird?
Haltet ihr euch an Absprachen eher selten, weil sie nie richtig vereinbart wurden?
Ihr seid eingespielt. Achtet auf Veränderungen – sie sind der häufigste Grund, warum Teams zurück in die Reibung springen.
Ihr seid mitten in der Entwicklung. Das ist normal. Ein Teamtag, der Orientierung gibt oder die Reibung besprechbar macht, hilft – etwa Connect.
Hier lohnt eine Klärung von Rollen und Regeln. Reibung plus fehlende Absprachen sind ein klassisches Thema für einen fokussierten Boost-Workshop.
Was oft noch offen bleibt
Muss jedes Team durch die Storming-Phase?
Reibung gehört fast immer dazu, sie fällt aber sehr unterschiedlich aus. Bei manchen Teams ist sie kurz und produktiv, bei anderen verhärtet sie sich.
Wie lange dauern die Phasen?
Dafür gibt es keine verlässliche Faustregel. Die Dauer hängt von Aufgabe, Zusammensetzung und Rahmenbedingungen ab.
Gibt es andere Phasenmodelle?
Ja, verschiedene. Tuckmans Modell ist aber das bekannteste – und als Gesprächsgrundlage im Team oft völlig ausreichend.
- Tuckman, B. W. (1965): Developmental sequence in small groups. Psychological Bulletin, 63(6), 384–399. Übersicht: Wikipedia (engl.), „Tuckman’s stages of group development“.
- Tuckman, B. W. & Jensen, M. A. C. (1977): Stages of small-group development revisited. Group & Organization Studies, 2(4), 419–427.
- Einordnung der Methodik (Literaturauswertung, Ergänzung 1977): Citation Classic Commentary von B. W. Tuckman (1984, PDF).
Veröffentlicht am 19. Oktober 2026 · Verfasst von Frederik Wilkening · Modelle mit dem Zusatz „Crew-Up-Modell“ sind eigene Arbeitsmodelle, keine Forschungsergebnisse.
